Loben vs. Wertschätzung

Weil wir uns einfach freuen. Hey, die ersten Schritte hast du gemacht und ich sprudelt über vor Stolz und Freude.

 

Ich hatte echt den Gedanken okay, was für ein Schwachsinn. Jetzt gab es das dessen lassen. Jetzt darf ich mein Kind nicht mal mehr loben. Also das ist ja echt was positives für das Kind. Es bestärkt das Kind und ist was ganz tolles. Also was für ein Blödsinn. Bis es mir dann aufgegangen ist, dass es das nicht ist. Wir sollen das Kind ignorieren, sondern dass es einen Unterschied gibt zwischen Lob und Wertschätzung.

 

Der erste Impuls ist gerade im Zusammenhang mit GFK nicht dogmatisch sein, weil das ist das, was ich immer wieder so mitbekommen. So, ich darf ja jetzt nicht mehr loben, ich darf jetzt meinem Kind nicht mehr sagen, das Bild ist schön oder ich darf auch nicht mehr sagen wow oder toll oder so. Und da möchte ich wirklich dafür plädieren, den Druck rauszunehmen und zu sagen Wenn das wirklich von Herzen in dem Moment kommt, dann bin ich mir gerade einfach raus muss Wow, das ist sehr cool ist, dann kann ich das auch ganz genau sagen.

 

Die Sprache ist für mich nicht so wichtig. Mir geht es darum, was ich empfinde und wie ich diese Verbindung mit meinem Kind bringe. Und ja, Wertschätzung bringt diese Verbindung auf eine offene, viel reichhaltigere Art und Weise.

 

Loben unterscheidet sich von Wertschätzung nur in der Absicht, noch nicht mal unbedingt in den Worten. Man kann das natürlich auch in Worten klar abgrenzen. Für mich ist elementar, mit welcher Absicht und Wertschätzung kann ich auch in einer gewaltfreien Absicht ausdrücken. Also nicht die Worte, sondern die Absicht dahinter sind das Entscheidende. Die Absicht, die wir als gewaltvoll betrachten, ist. Ich nutze Lob als Mittel zum Zweck und der Zweck ist, den anderen dazu zu bewegen, nochmal das gleiche zu machen, also ihn zu zu beeinflussen. Und Wertschätzung wäre ich gebe eine persönliche Botschaft raus. Was macht das mit mir, was du getan hast? Und die echte Wertschätzung fördert auch die Kooperationsbereitschaft.

 

Die meisten Eltern denken, wenn die Kinder irgendwas machen oder sagen schau mal, was die für ein Bild gemalt hab. Jetzt muss ich sagen, das Bild ist schön. Ja, ich will ja auch mein Kind nicht wehtun. Ich bin ja ein Gutmensch und als Gutmensch habe ich auch das Kind positiv zu bewerten, damit das Kind einfach ein Selbstvertrauen entwickelt. Da gibt es ein Missverständnis. Ja, Kinder entwickeln kein Selbstvertrauen, weil sie gelobt werden. Aber sie entwickeln eine Sucht. Nämlich Anerkennungssucht. Dann malen sie nicht mehr, weil sie Lust am Malen haben, sondern darum, Anerkennung zu bekommen.

 

Auf lange Sicht ist es so, dass Loben dem Selbstwertgefühl eher schadet, das Loben ein Leistungsdenken über sich selber provoziert, dass wir denken, wir sind nur gut, wenn wir Dinge so oder so oder so machen. Wir sind nur gewollt geliebt, wenn wir Verhaltensweisen zeigen, die unsere Eltern loben. Und was passiert denn, wenn da plötzlich niemand mehr steht und sagt Toll gemacht, super, tolles Bild. Dass ich gucke was, was geht es mir? Also werfe ich da jetzt einfach so ein Gut gemacht hin. Ja, und das Kind denkt so okay, gut gemacht, Was habe ich denn jetzt genau gut gemacht. Das Gehirn denkt so was habe ich gut gemacht. Ist gut gemacht. Löst zwar quasi diese Glückshormone Ach, was habe ich denn gut gemacht? Und deswegen fragt das Kind dann im nächsten Schritt wieder und wieder und wieder. Und stattdessen, wenn ich quasi jetzt nicht das fertige Produkt nehme, sondern auch auf diesen Prozess gucke, wie ist etwas entstanden? Heute bist du schon höher geklettert als gestern. Erstes Kind auch selbst sehen kann.

 

Was hat sich denn verändert? Was hab ich denn geschafft? Und dann auch wirklich zu beschreiben Mensch, das war jetzt ganz schön anstrengend, da ganz hoch zu kommen. Und da hast du wirklich alle Kräfte zusammengepackt und dann war es das Kind. Stimmt ja, ich habe alle Kräfte zusammengepackt. Wo bist du jetzt gerade? Richtig stolz, oder? Ah ja, das ist stolz. Okay. Ja, ja, ich bin stolz. So, und da haben wir eine Verbindung. Ja, okay. Was bedeutet denn Stolz überhaupt? Also, so, und das macht den Unterschied.

 

Du bist so eine tolle Freundin. Wie kann ich das anders formulieren? Ich bin so berührt, dich zur Freundin zu haben.

 

Es ist mir einfach so viel wert. Und wenn das jemand zu mir sagt, dann sage ich.

 

Es freut mich, dass du das so empfindest.

 

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